Denkmalpreis 2014

Wohnhaus in Diespeck

Das Wohngebäude Bamberger Straße 22 in Diespeck wurde 1852 durch Johann Geer errichtet. Es handelt sich um das Wohnhaus eines stattlichen bäuerlichen Anwesens, das auch als Bäckerei genutzt wurde. Es dürfte sich um eine Art „Auftragsbäckerei“ gehandelt haben, d.h. Backwerk wurde durch Kunden gebracht und gebacken. Hinweise auf einen Verkaufsraum, wie dies bei Bäckereien im 21. Jahrhundert üblich ist, gibt es nicht.

Wohngebäude und Nebengebäude, d.h. Pferdestall, Hühnerstall, Kuhstall, Scheune und Schweinestall mit Holzlege umschließen den Innenhof. Diese wurden wie die Datierungen an den Gebäuden zeigen kurz vor und nach der Errichtung des Wohnhauses erbaut. Die Erfassung und Bewertung der Gebäude für die Brandversicherung aus dem Jahre 1894 nennt die Jahreszahlen 1835 für die Scheune und 1868 für einen Teil der Wirtschaftsgebäude. Aus den noch erhaltenen bäuerlichen Werkzeugen sowie der Ausführung der Nebengebäude ergibt sich, dass sowohl Ackerbau betrieben wurde als auch Hopfen angebaut und im Dach des Wohngebäudes gedarrt wurde. Für den betriebenen Ackerbau sprechen noch vorhandene Ochsengeschirre und Pflüge sowie Werkzeuge zur Verarbeitung und Reinigung des Getreides. Die gehaltenen Schweine, Kühe und Hühner dienten wohl der Selbstversorgung.

Die landwirtschaftliche Nutzung des Hofes wurde noch für kürzere Zeit weitergeführt, nachdem der Vater Johann Georg Geer 1939 und die Mutter Margareta Barbara Geer 1941 verstorben waren. Durch die Töchter Anni und Hedwig Geer wurde die Landwirtschaft in geringem Umfang bis ca. 1958 betrieben, danach lediglich die Bausubstanz erhalten, aber keine Landwirtschaft ausgeübt.

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg wurden einzelne Räume im Obergeschoss bis anfangs der 50er Jahre für ausgebombte Flüchtlinge genutzt. Im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung wurden auch an dem Gebäude Eingriffe vorgenommen. Im Jahr 1959 wurde die ursprüngliche Abortanlage abgerissen und durch einen massiv gemauerten Anbau ersetzt. Der Ausbau der Bamberger Straße zur Bundesstraße und die daraus resultierende Verbreiterung der Straße führte zur Verlegung des Gebäudeeinganges in die Seitenstraße „Am Kirchberg“. Die Zugangstreppe wurde abgerissen. In den folgenden Jahren wurden im Erdgeschoss des Gebäudes die bauzeitlichen Bodenbeläge, Türen und Fenster entfernt und durch damals „zeitgemäße“ Baustoffe und „zeitgenössische“ Gestaltung ersetzt.

Lediglich einzelne Räume im Obergeschoss, insbesondere die „gute Stube“ , blieben von Modernisierungsmaßnahmen komplett verschont, so dass dort die historischen Schablonenmalereien, Türen und Kreuzstockfenster erhalten blieben. Die erhalten gebliebenen Wandgestaltungen können auf das ausgehende 19./ beginnende 20. Jahrhundert datiert werden. In allen anderen Räumen im Oberschoss wurde die historische Wandgestaltung durch Elektrifizierung und nachträgliche Verputz- und Anstricharbeiten weitgehend zerstört. Lediglich die bauzeitlichen Innentüren blieben erhalten.

Nach dem Tod der Geschwister Geer im Jahre 2005 stand das Gebäude bis zum Verkauf leer. Die historische Gebäudeausstattung, d.h. Möbel, Kachelöfen etc. sind bis auf wenige Arbeitsgeräte verloren gegangen bzw. wurden verkauft. Im Jahr 2009 wurde das Gebäude vom jetzigen Eigentümer erworben und in den Jahren 2009 bis 2012 denkmalgerecht saniert.

Eine Besichtigung ist nach Voranmeldung über das Architekturbüro möglich.

Architekturbüro Werner Schad

 

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