Denkmalpreis 1994

Wohnstallhaus in Tröstau

Einsam und idyllisch steht das 200 Jahre alte Wohnstallhaus am Dorfweiher von Vierst, einer winzigen Ortschaft bei Tröstau im Landkreis Wunsiedel. Ein Hanichelzaun umgibt das liebevoll restaurierte Gebäude mit dem Fachwerk-Giebel. Als Austragshaus war es einst gebaut worden, später lebten hier Taglöhner und Handwerker. Die letzte Bewohnerin war eine Frau über 80. Nach ihrem Tod stand das Haus leer. Geerbt hatte es eine Nichte, Else Prell aus Hiltenbach. Bei ihr meldeten sich viele Kaufinteressenten – Gutbetuchte vor allem, die das kleine Anwesen zu ihrem Wochenendsitz machen wollten. An denen aber hatte Else Prell kein Interesse. Sie verkaufte schließlich an Volker Dittmar, einen jungen Mann, der wenig Geld, aber viel Liebe zu dem alten Haus und dem ganzen Umfeld mitbrachte.

Mit der Restaurierung stürzte er sich in ein finanzielles Abenteuer. Letzten Endes aber blieb er Sieger: Das alte Haus in Vierst ist zu einem Schmuckstück geworden. Was an historischer Bausubstanz vorhanden war, wurde detailgetreu restauriert, Fehlendes behutsam ergänzt. Da zahlte es sich aus, dass Volker Dittmar jahrelang aus Abbruchhäusern brauchbares Material gesammelt hatte: Glasscheiben, Granitpflaster, Kacheln oder die Dielenbretter aus einer Scheune. Vom braunen Kachelofen in der Stube, der jetzt behagliche Wärme ausstrahlt, gab es nur ein paar Reste. Ihn hat Volker Dittmar mit viel Gespür so nachgebaut, wie er früher war.

Der neue Besitzer will den Charakter des kleinen Bauernhofes erhalten: Alle landwirtschaftlichen Geräte sind noch vorhanden. Auf dem großen Grundstück mit dem Bauerngarten darf auch eine Wellblechgarage leise vor sich hinrosten: Sie erinnert an die Zeit, als der erste Schlepper auf den Hof kam.
(Text: Heidi Wolf)

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