Museumsfonds

Der Museumsfonds der Hypo-Kulturstiftung fördert Ankäufe von Werken der Gegenwartskunst. Ziel ist, öffentliche Kunstmuseen mit überregionaler Bedeutung zu unterstützen, die in einer permanenten Sammlung einen Überblick über wesentliche Strömungen der zeitgenössischen Kunst geben.

Nobuyuki Tanaka – Flowing Water, Feeling Water No. 7 (2018)

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern konnte mit Unterstützung des Museumsfonds der Hypo-Kulturstiftung eine Arbeit des japanischen Künstlers Nobuyuki Tanaka erwerben: “Flowing Water, Feeling Water No. 7”, 2018, Lack auf Hanf, 237 x 60 x 48cm.

Tanaka, geb. 1959 in Tokio, verbindet in seinen Skulpturen die traditionelle japanische Lacktechnik mit zeitgenössischen Formen, zumeist in den Farben schwarz und rot.

© Museum Pflazgalerie Kaiserlslautern, © Nobuyuki Tanaka, Foto: Tadasu Yamamoto

Schwarz und glatt präsentiert sich das ungewöhnliche Material „Urushi“ (Japanlack), aus dem die großformatige Skulptur gefertigt ist. Natürlicher Lack, so wie Tanaka ihn verwendet, wird aus dem Saft des ausschließlich in wenigen Gebieten Ostasiens vorkommenden Lackbaumes gewonnen. Er lässt diesen Lack, im Kunsthandwerk ursprünglich als Membran und Überzug genutzt, zum Korpus, zur Skulptur werden. Zunächst trägt Tanaka mit der Hand mehreren Schichten in Lack getränkter Hanfstreifen auf ein Modell aus Styropor auf, wobei jede Schicht etwa zwei Wochen Trocknungszeit benötigt. Anschließend entfernt er den Styropor-Träger und poliert die abgelöste Lackschicht in tiefem Schwarz.

Der mystische Charakter dieser Farbe, seit Jahrtausenden traditionell für Lackware genutzt, fasziniert den Künstler. Durch wechselndes Spiel des Lichts, das sich auf der Oberfläche spiegelt, scheint der Lack vor unseren Augen zu fließen. Auch die Bewegungen des Betrachters werden von dem Schwarz, das wie ein Spiegel wirkt, reflektiert. Dadurch, dass das Werk auf diese Weise in einen Dialog mit seiner Umgebung tritt, gewinnt es zusätzlich an Lebendigkeit und Dynamik. Dem Künstler ist es ein Anliegen, dass die archetypische Formensprache seiner Werke von jedem Menschen, unabhängig von Herkunft und Kulturkreis, verstanden werden kann.

Von Oktober 2018 bis Februar 2019 hat das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern die erste europäische Einzelausstellung des Künstlers gezeigt: „Nobuyuki Tanaka – Urformen. Primordial Memories“. In diesem Zusammenhang wurde die Skulptur für die Sammlung des Museums erworben.

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Aktuell ist die Ausstellung als zweite Station im Museum für Lackkunst in Münster bis zum 30. Juni 2019 zu sehen.

Museum für Lackkunst Münster

Thomas Hoepker – 9/11 (2001)

©Staatliche Kunstsammlungen, Kupferstich-Kabinett Dresden, Foto: Herbert Boswank
© Staatliche Kunstsammlungen, Kupferstich-Kabinett Dresden, Foto: Herbert Boswank

Für das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wurde die Fotoarbeit „9/11“ von dem 1936 in München geborenen Fotografen Thomas Hoepker angekauft. Hoepker, der Mitte der 1970er Jahre nach New York übersiedelte, befand sich zum Zeitpunkt der Katastrophe vom 11. September 2001 nicht im Zentrum der Stadt, sondern auf der gegenüberliegenden Seite in Williamsburg. Von dort aus machte der Fotograf die Aufnahme, die er zunächst lediglich in seinem Archiv ablegte, da er sie zu „harmlos und idyllisch“ fand. Als ein Kurator das Foto jedoch entdeckte und den Künstler dazu ermutigte, das Bild zu veröffentlichen, wurde es schlagartig bekannt und in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.

„Es entsprach keiner unserer Standardvorstellungen, wie ein 9/11-Foto aussehen sollte“, erklärt Hoepker. Grund hierfür ist die alltägliche Szene der fünf jungen Amerikaner im Vordergrund des Bildes. Die Katastrophe, die den Moment nach dem Einsturz des World Trade Centers zeigt, ist in den Bildhintergrund gerückt. Diese Diskrepanz löst beim Betrachter Unwohlsein und Entsetzen aus, gleichwohl liegt hierin aber der hohe Aussagewert des Bildes: Der deutsche Fotograf zeigt eine zufällige, nicht gestellte Aufnahme der Katastrophe – ein ungewöhnliches, besonderes Bild. Nicht zuletzt deshalb stellt die Fotoarbeit eines der zentralen Werke innerhalb Hoepkers Oeuvres dar.