Denkmalpreis 1992

Schloss Hofstetten

Helga und Peter Leuschner waren erst 22 und 27 Jahre alt – und keineswegs Großverdiener –, als sie sich im Sommer 1974 in ein vernachlässigtes und entstelltes Schloss in der Nähe des Altmühltals verliebten. Das junge Paar konnte den ehemaligen Jagdsitz der Fürstbischöfe von Eichstätt in Hofstetten vom Orden der Englischen Fräulein verhältnismäßig günstig erwerben; und es zog alsbald in das verwunschene 22-Zimmer-Anwesen ein, das inmitten eines mauerumfriedeten Parkgartens liegt.

Die Leuschners glaubten zunächst, mit einer harmlosen Oberflächenrenovierung sei das barocke Burgschloss wieder schmuck und bewohnbar zu machen. Rasch merkten sie aber, dass sie da ein Denkmal gekauft hatten, das ihnen alle Kraft und Leidenschaft abverlangte; doch sie stellten sich der Aufgabe und bemühen sich seitdem mit größter persönlicher Anstrengung um die historisch getreue Wiederherstellung ihres Besitzes.

Schloss Hofstetten ist ein kompakter Dreiflügelbau mit meterdicken Mauern und einem eindrucksvollen Bergfried, dessen mittelalterliche Teile mindestens 800 Jahre alt sind. Im 19. und 20. Jahrhundert verlor jedoch das Bauwerk immer mehr von seiner ursprünglichen Substanz: ein einsturzgefährdeter Erkerturm wurde beseitigt, der Brunnen zugeschüttet, die Hofarkaden zugemauert und die Jurakalkplatten des Daches füllten meterhoch den Burggraben. Es gab auch eine aufgemalte barocke Scheinarchitektur, die unter späteren Putzschichten verborgen war.

Helga und Peter Leuschner rekonstruierten den Erker und die Malereien, sie öffneten den Brunnen und die Arkaden; die riesige Stallremise wurde repariert. Im Inneren mussten die alten Dielenböden freigelegt, die Steinböden in den Kreuzgewölbe-Figuren ergänzt, der barocke Putz renoviert, die Stukkaturen nachgearbeitet sowie die vielen verzierten Holztüren mitsamt ihren schönen Gewänden und Beschlägen stilgerecht ersetzt werden.

Wer will, kann das Burg-Schloss selbst vielfältig erleben: Im Schlosssaal und im Innenhof werden Konzerte gegeben, sogar standesamtliche Trauungen sind seit 2010 möglich.

Zwei Ferienwohnungen stehen im 1. Obergeschoss zur Verfügung, und vor wenigen Jahren wurde auch der Schloss-Stadel restauriert und wird für private Feiern und Veranstaltungen vermietet. Auch der Erfolg all dieser Initiativen bringt die erschöpften Eigentümer von Schloss Hofstetten dazu, die Frage, ob sie es nochmals wagen würden, die beste Zeit ihres Lebens einem gefräßigen Denkmal zu opfern, mit ja zu beantworten.

 

Schloss Hofstetten

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