Denkmalpreis 1993

Fachwerkhaus in Markt Einersheim

Das Anwesen Schockengasse 3 in Markt Einersheim ist ein zweigeschossiges, traufständiges Renaissancegebäudeaus dem frühen 17. Jahrhundert. Die Außenwände des gemauerten Erdgeschosses tragen die mit Bruchsteinen ausgefüllten, auf beidseitige Sichtbarkeit konzipierten, Fachwerkaußenwände des Obergeschosses. An der südwestlichen Gebäudeecke des Obergeschosses ziert das Gebäude ein Fenstererker mit einem Band von insgesamt acht Fensteröffnungen. Bei den Geschossdecken handelt es sich überwiegend um Holzbalkendecken mit Lehmfeldern als Schlierdecken. In einem Raum befindet sich eine verputzte Bohlenbalkendecke.

1989 wurde erwogen, das Gebäude abzureißen. Es befand sich damals in abgewohntem Zustand. Insbesondere der Dachstuhl und die rückwärtigen Obergeschosswände waren wegen des sehr schlechten Bauzustands gefährdet. Während der Prüfung des eingereichten Abrissantrags konnte anhand einer dendrochronologischen Untersuchung festgestellt werden, dass das Gebäude wahrscheinlich aus den Jahren 1608-1609 stammt. Befunduntersuchungen brachten die originale Farbigkeit im Inneren des Gebäudes zum Vorschein. Außerdem ergab sich, dass das damals vorhandene Vollwalmdach auf einen Umbau im frühen 18. Jahrhundert zurückging. Als sich herausstellte, dass der Dachstuhl sowie die rückwärtigen Obergeschosswände nicht gehalten werden konnten, entschied man sich, den ursprünglichen Bau wiederherzustellen.

Das Vollwalmdach wurde durch zwei orthogonal zueinander stehende, sich über Kehlen verschneidende Satteldächer ersetzt. Dabei erhebt sich das straßenseitige, traufständige Satteldach über dem Obergeschoss, während das des rückwärtigen Gebäudes teilweise bereits über der Erdgeschossdecke beginnt. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Dachformen hatte zugleich zur Folge, dass das Gebäude wieder Giebel bekam. Die rote Fachwerkfassung konnte freigelegt, die beiden Lichtbänder der „schönen Stube“ wieder geöffnet werden. Im Treppenhaus wurde die ockerfarbene Fachwerkfassung von 1610 freigelegt.

Finanziell verausgabte sich Helmut Schatz bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Unverständige Kommentare aus der Nachbarschaft nahm er gelassen in Kauf. Heute gilt das Haus als „städtebauliches Schmuckstück“ im Ort. Die gelungene Instandsetzung führte zwischenzeitlich bereits mehrfach dazu, Kollegen des Bauherrn zu motivieren, in ihrem Besitz befindliche Baudenkmäler zu sanieren.

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