Denkmalpreis 1990

Schloss Obernzenn

Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar widmet sich seit über zwei Jahrzehnten der für einen Einzelnen schier überwältigenden Aufgabe, den riesigen ererbten Familienbesitz, das Blaue und das Rote Schloss in Obernzenn – Barockbauten aus dem frühen 18. Jahrhundert, vor dem Verfall zu retten und im alten Glanz wiederherzustellen. Mit dem Problem, dass die Erträge aus der Landwirtschaft den enormen Erhaltungsaufwand nicht decken konnten, hatten die Seckendorffs insbesondere nach dem 2. Weltkrieg zu kämpfen.

So kam es, dass der Doppelkomplex der beiden Schlösser immer mehr herunterkam. Um zu überleben, musste die Familie sogar Teile des wertvollen Mobiliars veräußern. Bis 1948 waren auch 600 Flüchtlinge hier untergebracht. Dadurch wurden – in einer Zeit der äußersten Not – die Böden beschädigt und die Fenster zerstört; zudem verdarben entstellende Ein- und Umbauten den klaren Grundriss der Anlage. Die hölzerne Stiegenhaus erhielt wieder sein abstrakt-blaues Marmordekor nach dem originalen barocken Befund.

Auch das Interieur versuchte der Bauherr so weit wie möglich dem einstigen Zustand anzunähern, indem er bei den Antiquitätenhändlern der Umgebung Möbel aufspürte, die früher nachweislich in Seckendorffschem Besitz waren. Eine besondere Rarität bildet der „Bildersaal“ im Schloss, ein Kabinett mit über achtzig Portraits aus der Zeit des Barock und des Rokoko. Die Gemälde hängen Kante an Kante und sind nur durch schmale Leisten voneinander getrennt. Allein die Restaurierung dieser wändefüllenden Ahnengalerie hat acht Jahre gedauert. Nicht minder aufwendig gestaltete sich im so lange verwilderten Park die Freilegung der herrlichen Gartenterrasse im französischen Stil. Die nachahmenswerte Philosophie des Grafen Seckendorff ist: „Das Haus gehört nicht mir, ich gehöre dem Haus. Ich habe die Verpflichtung übernommen, einen Ort zu bewahren und für die Allgemeinheit zu erhalten, der eine 700- jährige Geschichte hat. Man muss den Dingen den Platz geben, an den sie gehören.“

Um dies zu tun, opfert dieser idealistische Hausherr jede freie Minute, die er als Rechtsanwalt erübrigen kann, der Erhaltung des Schlosses. Weil er sich verantwortlich fühlt, den Stammsitz seiner Vorfahren auch für die Zukunft zu bewahren.
(Text: Peter M.Bode)

 

Schloss Obernzenn

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